Landwirtschaft im Dialog
Nachfrageboom: Wohin steuert der Markt für Geflügelfleisch?
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© top agrar/Stelzer
Geflügelfleisch ist beliebt, besonders bei jungen Menschen. Beim Fleischverzehr hierzulande erreicht Geflügel mittlerweile einen Anteil von knapp 30 Prozent, Tendenz weiter steigend. Gleichzeitig stehen Erzeuger, Politik und Marktteilnehmer vor wichtigen Zukunftsfragen – wie: Steigt der Konsum weiter? Was kommt auf die Branche zukünftig zu? Wie steht es um die Wettbewerbsbedingungen? Und welche politischen Entscheidungen braucht es jetzt dringend? Diese Fragen diskutierten die Teilnehmenden der diesjährigen Ausgabe von Landwirtschaft im Dialog in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund in Berlin.
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Es braucht eine Herkunftskennzeichnung – auch in der Gastronomie
Politisches Handeln ist auch beim Thema Herkunftskennzeichnung gefragt: Die deutsche Geflügelwirtschaft übernimmt Verantwortung für Lebensmittelsicherheit, eine nachhaltige Erzeugung und für eine wirtschaftlich tragfähige Tierhaltung in Deutschland. Diese Qualität sichtbar machen – darüber sprach ZDG-Geschäftsführer Wolfgang Schleicher in seiner Keynote: Verbraucher sollten erkennen, wo das Geflügelfleisch erzeugt wurde. Die bereits für Frischfleisch geltende Herkunftskennzeichnung sollte deshalb ausgeweitet werden. Die Landwirte produzieren ein nach höchsten Standards erzeugtes Produkt, das flächendeckend – auch in der Gastronomie – sichtbar gemacht werden sollte.
Die Bundesregierung kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie kann die Resilienz und Ernährungssicherheit Deutschlands verbessern und zugleich eine gesunde, proteinreiche und vergleichsweise klimaeffiziente Ernährung fördern. Die Branche ist bereit. Jetzt geht es darum, gemeinsam die richtigen Weichen zu stellen.
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Mehr Wettbewerbsfähigkeit, weniger Bürokratie
Das erste Panel der Veranstaltung war mit viel Kompetenz besetzt: Christoph Frauenpreiß, Mitglied des Bundestages, Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, CDU/CSU-Bundestagsfraktion; Dr. Nicolas Wüthrich, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger, und Hannah Brüggemann, Geflügelhalterin aus Niedersachsen, diskutierten über den dringenden Bedarf für mehr Wettbewerbsfähigkeit und weniger Bürokratie. Viele Erzeuger in Deutschland wollen moderne Ställe bauen und bestehende Anlagen verbessern. Sie scheitern jedoch an mehrjährigen Genehmigungsverfahren, fehlender Planungssicherheit und widersprüchlichen Anforderungen.
Auf die Frage „Was wünschen Sie sich konkret von der Politik?“ antwortete Hannah Brüggemann:
Ich wünsche mir Planungssicherheit. Denn das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, um Investitionen in die Geflügelhaltung überhaupt realisieren zu können.
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Roland Berger Geflügelstudie 2026 zeigt dringenden Bedarf für mehr heimische Produktion
Ein Höhepunkt des Programms war die Live-Vorstellung der Roland Berger Geflügelstudie 2026 (Download am Ende des Artikels). Die Nachfrage nach Geflügelfleisch hält an – aber wie viel Geflügelfleisch produziert Deutschland im Jahr 2040 noch selbst? Dazu liefert die Studie bemerkenswerte Zahlen. Dr. Nicolas Wüthrich erklärte auf dem Podium die zentralen Ergebnisse:
- Bis zum Jahr 2040 ist ein jährliches Nachfragewachstum bei Geflügelfleisch von 2,1 bis 2,5 Prozent, bei Hähnchen sogar von bis zu 3,4 Prozent zu erwarten.
- Die Rahmenbedingungen in Deutschland bremsen die heimische Erzeugung. Ohne zusätzliche Produktionskapazitäten könnte der Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch hierzulande von heute 91 Prozent bis 2040 auf 73 bis 77 Prozent sinken.
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Angesichts diese Faktenlage wurden auch die von Roland Berger ermittelten Gründe für die Beliebtheit von Geflügelfleisch besprochen: Geflügelfleisch liefert viel natürliches und erschwingliches Protein, lässt sich leicht und vielseitig zubereiten und liefert wichtige Mikronährstoffe. Dieser Trend hin zu mehr Geflügelfleisch spart zwischen 2010 und 2040 rund 25 Prozent an CO₂-Emissionen. Der Boom ist also keine schlechte Nachricht für Ernährung und Klima.
Damit kommt der heimischen Produktion von Geflügelfleisch eine strategische Bedeutung zu, die Dr. Nicolas Wüthrich so beschreibt:
Es ist daher strategisch sinnvoll, die heimische Geflügelproduktion als starke Säule der Ernährungssicherheit und der Versorgung auszubauen. Dafür braucht es schnellere Genehmigungen für neue Anlagen, digital vereinfachte Verwaltungsprozesse, eine stärkere Sichtbarkeit heimischer Standards und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen in Europa.
Fokus Entscheidung für Geflügelfleisch: In ihrer Paneldiskussion gingen Arne Wiest, Geschäftsführer Einkauf Food, Lidl Deutschland; Dr. Ingo Stryck, Geschäftsführer Marketing bei Wiesenhof, PHW-Gruppe; und Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt Düsseldorfer Kliniken der Franziskus-Stiftung, der Frage auf den Grund, warum mehr Geflügelfleisch aus Deutschland ins Supermarktregal und auf die Speisekarte gehört.
Auch hier spielte „Qualität“ eine Rolle. Dr. Ingo Stryck erklärte, dass sich das integrierte System in der deutschen Geflügelhaltung bereits seit Jahrzehnten erfolgreich bewährt habe. Das System beschreibt die enge Vernetzung aller Produktionsstufen – von der Futtermittelherstellung und Brüterei über die Aufzucht bis hin zur Schlachtung und Vermarktung – unter der Führung eines zentralen Unternehmens. Dieses System gilt in der modernen Fleischproduktion als Garant für gleichbleibende Qualität, lückenlose Rückverfolgbarkeit und hohe Lebensmittelsicherheit.
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Geflügelfleisch – die natürliche, hochwertige und erschwingliche Proteinquelle
Bei einem Aspekt herrschte Einigkeit: Geflügelfleisch wird breit akzeptiert und stark nachgefragt. Insbesondere mageres Geflügelfleisch ist eine hervorragende Quelle für vollwertiges Protein, da es alle essenziellen Aminosäuren enthält – bei wenig Fett. Das macht Geflügelfleisch vor allem in einer alternden und mit Adipositas kämpfenden Gesellschaft zu einem wertvollen Lebensmittel in der heutigen Zeit.
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Fazit:
An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Beteiligten für die Impulse und den konstruktiven Austausch sowie an die zwei Moderatoren, Chefredakteur Guido Höner und Marcus Arden, Fachleiter Tierhaltung, von top agrar.