Ernährungssicherheit
Roland Berger Geflügelstudie 2026 zeigt: Geflügelboom hält bis mindestens 2040 an
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Die Ernährungsgewohnheiten in Deutschland verändern sich – nicht jedoch bei Geflügelfleisch. Das ist und bleibt im Trend. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Roland Berger Geflügelstudie 2026 (Download am Ende des Beitrags). Denn während der gesamte Fleischverbrauch zwischen 2010 und 2025 um rund zwölf Prozent auf etwa 76 Kilogramm pro Kopf zurückging, stieg der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch im gleichen Zeitraum um 28 Prozent auf rund 22 Kilogramm. Besonders dynamisch entwickelte sich Hähnchenfleisch: Hier beträgt das Plus seit 2010 sogar 62 Prozent (siehe erste Grafik). Damit ist Geflügel die einzige Fleischkategorie mit einem deutlichen langfristigen Wachstum. Und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen.
© Roland Berger, 2026
Nachfrage steigt bis 2040 weiter
Die Modellierungen von Roland Berger zeigen: Bis 2040 ist bei Geflügelfleisch mit einem jährlichen Nachfragewachstum von 2,1 bis 2,5 Prozent zu rechnen. Noch dynamischer entwickelt sich Hähnchenfleisch. Hier liegt das prognostizierte jährliche Wachstum bei bis zu 3,4 Prozent (siehe zweite Grafik). Das sind gut 50 Prozent mehr Marktvolumen bis 2040.
© Roland Berger, 2026
Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits seit Jahren zu beobachten ist. Geflügelfleisch passt nach Analyse der Studie zu den zentralen Anforderungen moderner Ernährung: Es liefert viel natürliches und erschwingliches Protein, lässt sich vielseitig und unkompliziert zubereiten und enthält wichtige Mikronährstoffe. Zur hohen Nährstoffdichte kommt eine ebenso hohe Ressourceneffizienz. Geflügel weist innerhalb der Fleischkategorien einen niedrigen CO₂-Fußabdruck. So spart der Trend hin zu mehr Geflügelfleisch zwischen 2010 und 2040 rund 25 Prozent an CO₂-Emissionen.
Zudem werden für ein Kilogramm Geflügelfleisch nur etwa zwei Kilogramm Futter benötigt, da die Tiere gute Futterverwerter sind. Damit treffen bei Geflügel gleich mehrere vorteilhafte Aspekte aufeinander: ein steigendes Interesse an proteinreicher Ernährung, veränderte Ernährungsgewohnheiten, die hohe Alltagstauglichkeit und die gute Nachhaltigkeitsbilanz des Lebensmittels.
Protein – ein wichtiger Zukunftsnährstoff
Der Geflügelboom ist dabei Teil eines größeren Ernährungstrends. Die Roland Berger Geflügelstudie 2026 verweist auf Prognosen, nach denen der deutsche Proteinmarkt perspektivisch um rund fünf Prozent pro Jahr wächst. Geflügelfleisch ist als natürliche, hochwertige, gesunde und erschwingliche Proteinquelle ein wesentlicher Träger dieses Marktes.
Schon heute stammen nach einer in der Studie ausgewerteten Schätzung rund 13 bis 14 Prozent der tierischen Proteinversorgung in Deutschland aus Geflügelfleisch. Gerade bei jüngeren Menschen spielt Protein eine wichtige Rolle: 55 Prozent der Gen Z und Millennials achten laut den in der Studie ausgewerteten Daten aktiv auf eine ausreichende Proteinzufuhr.
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Wie isst die Gen Z in Deutschland?
Die Studie zieht daraus den Schluss, dass der Nachfrageanstieg bei Geflügelfleisch nicht als kurzfristiger Konsumtrend zu verstehen ist. Vielmehr trifft das Lebensmittel auf langfristige Veränderungen in den Ernährungspräferenzen der Bevölkerung.
Rahmenbedingungen bremsen die heimische Erzeugung
Während der Gesamtverbrauch von Geflügelfleisch zwischen 2010 und 2025 um 30 Prozent gestiegen ist, legte die Bruttoeigenerzeugung im selben Zeitraum lediglich um rund neun Prozent zu. Auch der Blick nach vorne zeigt eine zunehmende Diskrepanz. Laut Roland Berger trifft die steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch bis 2040 auf eine heimische Erzeugung, die nur um rund ein Prozent pro Jahr zunimmt. Kurz: Die heimische Erzeugung kann – gemäß der Studie – mit der Nachfrage nicht Schritt halten.
Die Folge: Der Selbstversorgungsgrad sinkt. Die Importabhängigkeit wächst. Ohne zusätzliche Produktionskapazitäten könnte der Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch von heute 91 Prozent auf 73 bis 77 Prozent im Jahr 2040 zurückgehen. Bei Hähnchenfleisch liegt der prognostizierte Korridor bei 71 bis 79 Prozent.
© Roland Berger, 2026
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Zusätzlicher Bedarf an Hähnchenfleisch wird erheblich
Besonders deutlich wird die Größenordnung beim Hähnchenfleisch. Für diese Kategorie prognostiziert die Studie bis 2040 den größten zusätzlichen Bedarf. Um die steigende Nachfrage stärker aus heimischer Produktion zu bedienen, wären nach Berechnungen von Roland Berger deutschlandweit durchschnittlich 130 bis 180 neue moderne Ställen pro Jahr erforderlich. Gleichzeitig müssten auch die Kapazitäten für Schlachtung und Verarbeitung entsprechend mitwachsen.
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Eine Milliarde Euro für zusätzliche Kapazitäten
Die deutsche Geflügelwirtschaft signalisiert dafür eine erhebliche Investitionsbereitschaft. Initial steht rund eine Milliarde Euro für den Kapazitätsausbau bereit.
„Wir stehen bereit, eine Milliarde Euro in zusätzliche Kapazitäten und moderne Ställe zu investieren. Das stärkt Arbeitsplätze und Wertschöpfung im ländlichen Raum und verbessert die Versorgung der Menschen mit einem hochwertigen, proteinreichen Lebensmittel.“
Die entscheidende Voraussetzung für Investitionen sind Baugenehmigungen und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Studie beschreibt einen pragmatischen Handlungspfad in vier Schritten, der zu mehr Versorgungssicherheit führt. Dabei wird betont, dass es nicht das Ziel ist, Deutschland abzuschotten, sondern eine ausgewogene Verbindung von internationalem Handel und einer starken, bundesweit breit aufgestellten heimischen Produktion.
Zum Vier-Schritte-Handlungspfad laut Roland Berger gehören:
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Die Nachfrage kommt – entscheidend ist, wo und wie produziert wird
Die Roland Berger Geflügelstudie 2026 zeichnet damit ein bemerkenswert klares Bild: Die Nachfrage nach Geflügelfleisch wächst weiter. Gleichzeitig kann die heimische Produktion unter den bestehenden Rahmenbedingungen mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten.
Die zentrale Zukunftsfrage lautet deshalb nicht, ob zusätzlicher Bedarf an Geflügelfleisch entsteht, sondern wie dieser Bedarf künftig gedeckt wird.