Herkunftskennzeichnung
Chronologie der Herkunfts-Versprechen: Ist der Bann gebrochen?
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Basis aller Regierungsversprechen – und damit die „Mutter“ der Ankündigungen der aktuellen Regierung zur Herkunftskennzeichnung – ist der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP aus dem Herbst 2021. Dort heißt es auf Seite 34: „Wir führen ab 2022 eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung ein, die auch Transport und Schlachtung umfasst. Unser Ziel sind entsprechende verbindliche EU-weit einheitliche Standards. Zudem führen wir eine umfassende Herkunftskennzeichnung ein.“
Und wie steht es mit der Umsetzung? Zwar hatte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) im Oktober angekündigt, dass künftig auch bei nicht-vorverpacktem Fleisch auf Wochenmärkten, an Fleischtheken und in Metzgereien die Herkunft verpflichtend gekennzeichnet werden soll (der nationale Verordnungsentwurf ist hier zu finden), von der versprochenen „umfassenden Kennzeichnung“ konnte bis dato aber keine Rede sein: Der EU-weite Entwurf, auf den Berlin hierfür setzt, steht bis heute aus.
August 2022: Die Terminankündigung
November 2022
Dezember 2022: Terminverschiebung Nr. 1
10. Februar 2023: Terminverschiebung Nr. 2
17. Februar 2023: Terminverschiebung Nr. 3
Mai 2023: Nun doch wieder EU - und ein neuer Zeitplan
Auf einer Veranstaltung in Berlin macht der Bundeslandwirtschaftsminister deutlich: Er wartet weiter auf Brüssel. Die nationale Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auf loses Fleisch in Metzgereien und an Fleischtheken reiche ihm nicht aus, sagt Cem Özdemir. Er wolle "EU-weit einheitliche Regeln" und setze sich deshalb "mit Nachdruck" für eine EU-weite Herkunftskennzeichnung ein. Er sei gerade dabei, erneut Bündnispartner in Europa dafür zu suchen, um das möglichst noch vor den Wahlen zum EU-Parlament, womöglich innerhalb der spanischen EU-Ratspräsidentschaft auf den Weg zu bringen. Zur Einordnung: Spanien übernimmt den Ratsvorsitz im Zeitraum von Juli bis Dezember 2023, die Wahlen zum EU-Parlament finden im Frühjahr 2024 statt. 24. Mai 2023: Ein bisschen Eigeninitiative - und immer mehr EU-Frust Das Bundeskabinett stimmt zu, dass die nationale (auf EU-Recht zurückgehende) verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel auf unverpackte, unverarbeitete Ware ausgeweitet wird. Das heißt: Voraussichtlich ab Anfang 2024 muss z.B. auch an Fleischtheken, in Metzgereien oder auf Wochenmärkten ausgewiesen sein, woher das Fleisch kommt.
Das kann aber noch nicht alles sein, wenn es um die im Koalitionsvertrag versprochene umfassende Herkunftskennzeichnung geht - das gesteht Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir selbst ein. In einer Pressemitteilung seines Ministeriums heißt es: „Leider hat die EU-Kommission entgegen ihrer Ankündigung noch immer keinen Vorschlag für eine EU-weite, umfassende Herkunftskennzeichnung vorgelegt.“ Deshalb werde man „nun eine Regelung für Deutschland erarbeiten“, heißt es weiter. Konkrete Angaben zum Zeitplan gibt es nicht.
24. Mai 2023: Ein bisschen Eigeninitiative - und immer mehr EU-Frust
Das Bundeskabinett stimmt zu, dass die nationale (auf EU-Recht zurückgehende) verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel auf unverpackte, unverarbeitete Ware ausgeweitet wird. Das heißt: Voraussichtlich ab Anfang 2024 muss z.B. auch an Fleischtheken, in Metzgereien oder auf Wochenmärkten ausgewiesen sein, woher das Fleisch kommt.
Das kann aber noch nicht alles sein, wenn es um die im Koalitionsvertrag versprochene umfassende Herkunftskennzeichnung geht - das gesteht Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir selbst ein. In einer Pressemitteilung seines Ministeriums heißt es: „Leider hat die EU-Kommission entgegen ihrer Ankündigung noch immer keinen Vorschlag für eine EU-weite, umfassende Herkunftskennzeichnung vorgelegt.“ Deshalb werde man „nun eine Regelung für Deutschland erarbeiten“, heißt es weiter. Konkrete Angaben zum Zeitplan gibt es nicht.
Juni 2023: EU-Entwurf nicht vor Juni 2024?
Beim Warten auf einen Vorschlag der EU zur Ausweitung der Herkunftskennzeichnung gehe ihm allmählich die Geduld aus, gibt der Pressedienst Agra Europe Äußerungen Cem Özdemirs wieder. Er forderte demnach auf einer Veranstaltung nicht näher genannte „agrarpolitische Akteure“ auf, ihrerseits Druck auf die EU zu machen. Er selbst sei mittlerweile nicht mehr sicher, ob noch vor der Europawahl im Juni 2024 ein Vorschlag zur Herkunftskennzeichnung präsentiert werde, schreibt Agra Europe. EU-Kommissionskreise werden mit der Aussage zitiert, man sei "frühestens im Herbst so weit", einen Regelungsentwurf zu veröffentlichen.
Update 26. Juli 2023: "Özdemir will Ausweitung auf Außer-Haus-Verpflegung", schreibt das BMEL
Die Pressemitteilung des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zur Billigung der erweiterten Herkunftskennzeichnung im LEH durch das Bundeskabinett und dem weiteren Vorgehen zur Haltungskennzeichnung enthält auch diese denkwürdige Passage: "Parallel zur Tierhaltungskennzeichnung wollen wir auch die Herkunftsbezeichnung im nächsten Schritt auf die Außer-Haus-Verpflegung ausweiten. Leider hat die EU-Kommission entgegen ihrer Ankündigung weiterhin keinen Vorschlag für eine EU-weite Regelung vorgelegt. Auch andere Mitgliedstaaten haben bereits nationale Regelungen getroffen. Unsere Landwirtinnen und Landwirte – gerade mit kleinen und mittelgroßen Höfen – brauchen die Chance, am Markt bestehen zu können. ‚Made in Germany‘ ist auch beim Fleisch ein von den Verbraucherinnen und Verbrauchern anerkanntes Qualitätsmerkmal: Es steht für Tierschutz, gerechte Löhne und den Schutz unserer natürlichen Ressourcen." Hierzu kommentiert ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke: "Das ist ein wichtiger Schritt und eine starke Anerkennung für alle deutschen Tierhalter. Bitte daher zügig umsetzen – wir unterstützen jederzeit gerne!"
Das ist ein wichtiger Schritt und eine starke Anerkennung für alle deutschen Tierhalter. Bitte daher zügig umsetzen – wir unterstützen jederzeit gerne!